Aus der Reihe „Ornament und Gedächtnis“ – über die ästhetische Verarmung der Moderne und die moralische Entwertung des Ornaments – und darüber, wie Stadtfassaden ihr Gedächtnis verlieren.
Exzerpt: Die vorliegende Reihe spannt einen historischen Bogen bis in eine Gegenwartsdiagnose und zeigt, dass Fassadenschmuck ein unentbehrlicher Bestandteil der Baukultur war; als analoge Informationsschicht erfüllte er tektonische und soziale Aufgaben gleichermaßen. Spätestens seit Adolf Loos‘ Gleichsetzung von Ornament und Verbrechen wird Fassadenschmuck moralisiert und entstuckt. Teil II radikalisiert das Bild der Entstuckungswellen des 20. Jahrhunderts als Enthäutungen. Es wird deutlich, dass Ornament nicht überflüssiger Dekor ist, sondern vor allem eine Grammatik, die Tragwerk, Fügung und Maßstäblichkeit lesbar macht, das Bauwerk erst sprechen lassen. Teil III bringt das auf den Punkt: In Berlin wirkt „Stadtreparatur“ und Neubau leblose und kulissenhaft; sie ist von historischer Atmosphäre und Qualität weit entfernt. Die Gründe hierfür liegen in Normendichte, Nachweis- und Zertifizierungslogiken, Versicherungen und Vergabe – eine stille Umverteilung „von der Mauer zum Papier“.
Politische Reformimpuls: (1) Redundante Nachweise und technische Regeln entrümpeln, doppelte Prüfpfade abbauen (Verschlankung der Bau- und Baunebenkosten); (2) Vergabepraxis und Kriterien so umbauen, dass Qualität nicht systematisch am Anfang gestrichen wird (Optimierung der Baukosten); (3) Liegenschaftspolitik so ausrichten, dass kleinteilige Entwicklung und Mittelstand wieder Chancen haben (analog zum Bauboom der Gründerzeit); (4) Gestalterische Mindeststandards definieren (nicht als Stilfrage, sondern Wert- und Stadtqualitätshebel)
„Ornament verschwendet nichts, es bewahrt.“ – „Kein Körper kommt ohne Haut aus, aber nur in der Architektur gilt die glatte Oberfläche als Ideal.“ – „Das eigentliche Delikt der Moderne besteht nicht darin, Häuser entschmückt zu haben, sondern darin, ihren Schmuck für ein Delikt zu halten.“ – „Wir wohnen heute effizienter, aber wir treten weniger würdevoll in Erscheinung.“
Langfassung: Teil I–III




