Ästhetische Qualität im Bauen ist kein Ergebnis von Stilvorgaben, sondern von Ordnungspolitik. Dabei ist Ästhetik kein Luxus, sondern Mindeststandard und Effizienzfrage: Sie entscheidet, ob gebauter Raum langfristig reparabel, wertstabil und akzeptiert ist. Hochwertige Baukultur entsteht dort, wo ökonomische Anreize, Vergabepraxis und rechtliche Rahmenbedingungen handwerklich-tektonische Lösungen und bewährte Herstellweisen begünstigen. Ästhetische Stadtbilder, die nicht rein rational entstehen, sondern über Wahrnehmung, Symbolik und Atmosphäre wirken, benötigen rationale, harte ordnungspolitische Hebel – keine Quoten, keine Geschmackskommissionen und keine moralischen Appelle.
Die folgenden Arbeitsfelder differenzieren diese Leitthese aus, zu der Thesenpapiere und Kurzimpulse fortlaufend erarbeitet werden:
Baukultur und Stadtentwicklung
- Die von vielen Menschen geteilte Wahrnehmung, dass „früher“ oft „schöner“ gebaut wurde, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Einhaltung verbal kaum artikulierbarer, aber wissenschaftlich objektivierbarer Parameter. Die Erforschung der anthropologischen und architekturpsychologischen Dimension von „traditionellem“, „klassischem“ Baustil würde es erlauben, Regeln und Anreize für Dichte und Stadtbild zu definieren. Ziel sind keine „Stilquoten“ oder Listen zu rekonstruierender Gebäude, sondern
a) ist definitorische Einigung darauf, was Nutzer, Architekturlaien und Architekten unter „klassischem, zeitlosen Baustil“ verstehen und
b) ein politischer Rahmenordnung, innerhalb dessen ein solches Bauen wieder rational wird und Identität, Akzeptanz und Kontinuität entstehen.
Bauen zwischen Normen, Energieanforderungen und Kosten
- Nicht nur Materialpreise, sondern auch normative Überregulierung und immer komplexere Verfahren treiben Herstell- und Baukosten – und ersetzen Urteil, Erfahrung und Handwerk.
(Vertiefend: Schuld und Nachweis (Teil I–III).) - Zertifizierungslogiken für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz werden häufig als Qualitätsbeweis verkauft, wirken aber in der Praxis oft als Komplexitätstreiber: mehr Nachweise, mehr Schnittstellen, mehr Fehlerquellen.
- Wir haben nicht an Mängeln verloren, sondern an Maß und Würde; nicht an Vorschriften gewonnen, sondern an Komplexität.
Erinnerungskultur im Stadtraum
Dieses Feld liefert den begrifflichen Hintergrund für baupolitische Entscheidungen über Rekonstruktion, Erhalt und Deutung.
- Erinnerung braucht Kriterien, nicht moralische Übersteuerung.
(Vertiefend: Gesendet: Gespräche, die bleiben…) - Der Stadtraum ist ein Archiv: Was wir bauen, was wir tilgen, was wir konservieren, ist stets auch ein Urteil über Vergangenheit und Gegenwart.
(Vertiefend: Ornament und Gedächtnis (Teil I–III).) - Rekonstruktion zerstörter historischer Bauten und der Erhalt von Zerstörung sind gleichermaßen politische Entscheidungen – mit Folgen für Deutung, Alltag und Stadtbild.
(In Arbeit: Architektur und Identität am Beispiel des Berliner Schlosses.)
Kurzimpulse und Thesenpapiere (2–3 Seiten) werden fortlaufend erarbeitet und sind bei Bedarf als Arbeitsgrundlage verfügbar.
Stand: Dezember 2025 | Version 1.2
